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Die Burg

Geschichte

Diese Edelherren hatten, bevor sie die Burg Diepholz bauten, hier ihren Wohnsitz inmitten eines
umfangreichen Landbesitzes. Ihre Wasserburg lag ebenso wie der Ort im Winkel zwischen Hunte
und Dadau, unweit des Spradauschen, heute Rensmeyerschen Hofes. Der Burggraben ist in den
letzten Jahrzehnten nach und nach, besonders aber 1962 bei der Huntebegradigung zugeschüttet
worden). Das Grabensystem war mit Hunte und Dadau verbunden, wobei sicher bifurkationsähn-
liche Bildungen der Dadau in die Wehranlage mit einbezogen wurden.

Was das Alter der Burg und des Fleckens anbetrifft, so schweigen die Quellen völlig, und es ist
nicht damit zu rechnen, daß jemals Licht in dieses Dunkel kommen wird. Daß die erste urkundliche
Namensnennung erst 1368 erfolgt, hat wenig zu sagen. Das unweit des Ortes liegende Eschfeld gibt
Grund zu der Annahme, daß Cornau lange vor dem Jahre 1000 entstanden ist. Eine genauere
Datierung für den Ort ist nicht möglich.
Schon eher kann man für die Burg eine Zeitangabe machen. Moormeyer) vermutet, daß jenes
Edelherrengeschlecht, das seinen Stammsitz im Land Hadeln hatte und das sich später Grafen von
Diepholz nannte, im 10. oder 11. Jahrhundert auf seinem schon vorhandenen oder jetzt erworbenen
Landbesitz eine Wasserburg erbaute. Ob die Edelherren schon vorher hier einen Hof hatten, ob sich
daran eine Siedlung anschloß oder ob beides erst im Gefolge der Burganlage entstanden ist, läßt sich
nicht feststellen. Von der Urkirche Barnstorf aus ist jedenfalls die Eigenkirche der Cornauer Edel-
herren auf deren Veranlassung hin in Mariendrebber gegründet worden.
Nur wenige Namen dieses Geschlechtes sind bekannt. Mit einer gewissen Vorsicht muß man eine
Handschrift aus dem 17. Jahrhundert aufnehmen43), in der Wilhelm als der Stammvater bezeichnet
wird. Er habe 935 an einem Turnier in Magdeburg teilgenommen, das von Kaiser Heinrich veranstal-
tet worden war. Zwar kommt der Vorname Wilhelm auch im 12. und 13. Jahrhundert im Diephol-

zer Edelherrengeschlecht vor und ist daher in der Familie gebräuchlich gewesen, aber der genannte
Heinrich (I.) war nur deutscher König, nicht römischer Kaiser gewesen. Schon eher gesichert sind
Gottschalk44) und seine Schwester Gysla45), die um 1100 gelebt haben. Auch der Sohn Gottschalk,
der nach seinem Vater benannt und von 1110 bis 1118 Bischof von Osnabrück war, hat seine Jugend
auf der Cornauer Burg verbracht.
Als Merian46) um die Mitte des 17. Jahrhunderts unsere Landschaft beschrieb, war nur noch
gerüchtweise etwas von der Cornauer Burg bekannt. „Dann wie aus einer alten Tradition berichtet
wird, soll der Graf bei Cornau (welches ein Flecken unweit von dem Schloß Diepholz liegend) seinen
Sitz gehabt haben. Weil er aber aus Kriegsgefahr und Unsicherheit daselbst nicht ruhig bleiben
können, sey er etwas ferner und tiefer ins Holz und in die sumpfigen Oerter gerücket und habe
daselbsten an dem Orte, da jetzo das Haus Diepholz lieget, weil derselbe mit Morast und Wasser
allenthalben umgeben, seine Wohnung angestellet."
Merkwürdigerweise erwähnt erst eine Urkunde von 1369 zum erstenmal das Schloß „tho der
Knowe"47). Johann III. bezeichnete sich 1396 ausdrücklich als Herr zu Diepholz und „tor Ko-
nowe".48) Seit der Umsiedlung der regierenden Edelherren nach Diepholz um 1160 diente „die
Knowe" als Wohnung der nichtregierenden Mitglieder des Hauses. Die Verwaltung hatte ein
herrschaftlicher Vogt. Einer von ihnen, Johann de Koke, läßt sich von 1378 bis 1416 nachweisen).
Ein Hermann Kok erwarb am 24. 2. 1432 den Hof thom Broke (Brokering in Brockstreck), und
Berend Kok übergab ihn am 25. 2. 1570 seinem Sohn Lambert Kock. Von 1878 bis 1902 war
Friedrich Koch Bürgermeister in Cornau).
1510 verpfändeten die Brüder Konrad XII., Johann VI. und Friedrich I. das Schloß Cornau an
Rudolf von Diepholz aus einer unebenbürtigen Seitenlinie des Grafenhauses. Die Cornau wurde am
24. 7. 1548 durch Graf Rudolf IX. an seinen Hofmeister Jürgen Scherz verschenkt, der allerdings die
Pfandsumme bezahlen mußte51). Dessen Frau Elisabeth war eine Tochter des Diepholzer Drosten
Konrad Voß. Nach dem Tode ihres Mannes heiratete Elisabeth den Walter Gronow, der nach
Cornau zog. In den Akten heißt es hierzu: „Nachdem hiebefoer von Graffenn Rudolphen seliger
Georg Schertzen ein gudt die Knowe genandt, etwann ein Grefflich Hauß gewesenn, mit einer
Wisch die Herde geheißenn, nahe an Diepholz gelegenn, umb den pandtschilling einzulösen zugelas-
senn und Inenn nach meidung Sigell und Breib, die vorbeßerung der Knowe, und nicht der Herde,
Erblich geschenket, auch volgenz Wolder Gronow die welche bemeltes Scherzen verlasenen Wittwe
ehelich geworden . . .).
1579 wurde das Gut an Elisabeths Bruder Rudolf v. Voß, Burgmann in Diepholz, verkauft und
blieb damit in der Familie. Dessen Tochter Agnes heiratete den Bremer Kaufmann Johann Kraft.
Aus dieser Ehe ging eine Tochter, Hille, hervor (geboren 1618 in Cornau); sie war 1644 mit Bauer
Freese zu Freesenheide verheiratet.
Durch Heirat - die näheren Umstände sind nicht bekannt - soll dann das Burggelände in den
Besitz der Familie Spradau gekommen sein. Die Krafts wohnten noch bis in das 20. Jahrhundert in
Cornau. Die Spradaus sitzen bis heute, wenn auch durch Einheiraten unter wechselnden Namen, auf
dem alten Burggelände (heute Rensmeyer).
Am 28. März 1750 stellte Johann Wilhelm Spradau einen Antrag zur Errichtung einer Wasser-
mühle). Die Ablehnung wurde mit wasserwirtschaftlichen Argumenten, vor allem aber mit der
ausreichenden Kapazität der Drebber- und der Huntemühle begründet.
In dieser Zeit war von der Burg nicht mehr viel zu sehen. Der Verfall scheint schon im 15.
Jahrhundert begonnen zu haben. Einen Teil der Steine hat man auf dem Wasserwege (Hunte, Aue)
nach Wagenfeld befördert und 1495 zum Bau der Auburg verwendet. Die Reste sollen 1751
abgetragen worden sein, während der Burggraben noch bis in unser Jahrhundert teilweise zu
erkennen war. 1817 schreibt H. D. A. Sonne in seiner „Erdbeschreibung des Königreiches Hanno-
ver": „Cornau, das älteste Flecken der Grafschaft, 40 Häuser, gleicht einem Dorfe; nur ein Schutt von
Grundmauern verrät noch, daß hier die ältesten Grafen sich aufhielten."



Quelle: Hans Gerke: Drebber. Chronik des Fleckens Cornau

Haus einem Diepholzer Buch

Cornau, der Stammsitz der Edelherren von Diepholz Der Stammsitz des bodenständigen
sächsischen Geschlechts war die Wasserburg Cornau im Mündungsdreieck der Dadau und
Hunte; sie dürfte im 9. oder lß. Jahrhundert erbaut worden sein. Urkundlich wird sie
erstmals im Jahre 1369 als Knovfe~ und 1378 als Conowe überliefert. Ein Plan der Cornau
(wahrscheinlich um 1725) zeigt zwei nebeneinanderliegende quadratische Burgwälle, so
daß daraus geschlossen werden kann, daß wahrscheinlich Haupt- und Vorburg vorhanden
gewesen sind9. Ein Teil der Burg wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts abgetragen und
zum Bau der Auburg (1495) verwendet. Der Burgname und das EschdorF sind uralt; der Name
dürfte als Sippenoder Wohnsitz eines Geschlechts auf einer Insel zu deuten sein. Der
Deutung Moormeyers - Ansiedlung des Konrad - kann ich mich nicht anschließen, da die
ältesten Namensformen kein r enthalten und die ältesten bekannten Namensträger des Gechlechts

Gottschalk und Konrad hießen. Als die Edelherren in Cornau eine neue Burg im Divbroc
erbaut hatten, diente die Cornau bis zum 15. Jahrhunder~ zeitweise nur noch als
Altensitz der Familie. Die ersten mit einem Familiennamen genannten Angehörigen
des Geschlechts erscheinen im Jahre 1160 in zwei Urkunden als Zeugen: Cono de Dhefholte
und Guillelmuss de Thyefholt;. Mehrere Chronisten fiihren die Stammreihe dieser Edlen
bis auf einen »fr~inkischen Ritter« im Heere Karls des Großen, andere auf einen
sächsischen Gral~eo zuriick, der ein Nachkomme Widukinds gewesen sein soll. Wieder andere
nennen einige Vorfahren des Geschlechts aus clem 9. und 10. Jahrhundert mit volien Namen~"'.
Alle däese Angaben (assen sich urkundlich nicht belegen; sie entbehren der Glaubwürdigkeit.
Ungeklaert ist auch die Frage nach der ursprünglichen Herkunft des Gesch(echts; einige
Forscher, z. B. Moormeyer, verlegen sie ins Land Hadeln, neuere Forschungen haben die
Hollburg (Kransburg) im Lande Wursten als Wohnsitz eines Zweiges der Edelherren von
Diepholz nachgewiesen. Sechs Namensträger - Johann, Kanoniker in Bremen, Wilhelm,
Kanoniker in Minden, Cono, Kanoniker in Halberstadt, Cono, Rodolf und Gottschalk von
Diepholz - stifteten im Jahre 1219 in Midlum ein Nonnenkloster; ob diese Edelherren
aus dem Diepholzer Raum stammen, kann aus Mangel an Quellen nicht gesagt werden.
Unter den Zeugen der Stiftungsurkunde ~ndet sich ein Hermann von Aschen; auch über
seine Person ist nichts bekannt~6. Die Grundherren von Cornau konnten ihre Herrschaft,
die zwischen großen Mooren lag, zunächst nur nach Süden erweitern. Sie erbauten im
2. Drittel des 12. Jahrhunderts in dem unzugänglichen Divbroc eine Wasserburg, die
sie nach diesem Bruchwald und sich selbst nach ihr von Diepholz nannten. Bevor wir uns
mit der Geschichte der Burg befassen, soll zunächst die Besiedlung der Geest- und
Talsandlandschaft im nörd1ichen Stadtgebiet dargestellt werden,
weil sie früher erfolgt ist als die von Diepholz und Umgebung. Die Randgebiete des
Hohen Sühn waren bereits in urgeschichtlicher Zeit von Menschen besiedelt worden. Ob
sie hier fortdauernd ansässig gewesen sind, läßt sich nur vermuten. Aschen ist ohne
Frage ein uralter Ort. Er ist wahrscheinlich um 1120 zerstört und bald danach westlich
der einstigen Dorflage neu angelegt worden. In jener hochrnittelalterlichen Zeit erfolgte
eine umwälzende Siedlungstätigkeit, die zu Rodungen und zur Begründung neuer Einzelhöfe
und Dörfer führte. Wie in anderen Gebieten setzte sich auch im Diepholzer Raum vom
11. Jahrhundert an »das Prinzip cier Aue-Orientierung (Talrandlage)« durch, d. h. die
neuen Siedlungen wurden »in dem Grenzbereich zwisctien ackerfähigem Land und grasswüchsiger
Niederung angelegt. Sie liegen somit am Geestrande bzw. am Randee' Talsandflächcen.
Ossenbeck ist auf dem Uferrand des Huntetals, Aschen und seine Tochtersiedlung Apwisch,
Holle und Bockhop sind am Rande des Boller ivloores angelegt worden; Heede, Athalda;
Käterinchusen und Nutlo (Sankt Hülfe) liegen teils auf der Talsandplatte, teils auf den
Talhängen der Hunte bzw. Grawiede. Diese bevorzugte Randlage ist bis in die Gegenwart
hinein beibehalten worden«. Sie bietet mehrere Vorzüge: Die Höfe liegen auf trockenem
Baugrund und unweit ihrer Felder und Wiesen, ihre Bewohner haben keine Schwierigkeifen mit
dem notwendlgen Trinkwasser und mit der Anlage von Wegen. Urkunden, die uns die
Gruendungsjahre der einzelnen Höfe und DörFer nennen, liegen nicht vor. Ihre erste Erwaehnung
läßt aber auf ihre ungefähre Entstehung schliessen.

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